Regelkunde & Schiedsrichter

Regeländerungen der Saison 2025/26: Was Spieler, Trainer und Schiris wissen müssen

Die Saison 2025/26 bringt mehrere Regeländerungen mit sich – von präzisierten Auslegungen bis zu kleinen Verfahrenserneuerungen. Wir geben den Überblick.

· von Benjamin Bohl · 11 Min. Lesezeit

Jede Saison überarbeitet die IFAB (International Football Association Board) das Regelwerk für Fußball. Manche Änderungen sind grundlegend, andere sind nur Klarstellungen. Für die Saison 2025/26 hat die IFAB im März 2025 mehrere Anpassungen verabschiedet, die der DFB anschließend in den deutschen Spielbetrieb übernommen hat.

In diesem Artikel zeige ich dir die wichtigsten Regeländerungen für die Saison 2025/26, ihre Auswirkungen auf den Amateurfußball und was Spieler, Trainer und Schiris konkret beachten müssen.

Wer entscheidet die Regeländerungen?

Die IFAB ist das offizielle Regelgremium des Fußballs. Sie besteht aus den vier britischen Fußballverbänden und der FIFA. Die IFAB tagt jährlich (Annual Business Meeting im November, Annual General Meeting im Februar/März) und beschließt die Regeländerungen für die kommende Saison – die in der Regel zum 1. Juli wirksam werden.

Der DFB übernimmt diese Regeln in der Regel 1:1, ergänzt aber eigene Verfahrensregeln für den deutschen Spielbetrieb (z. B. zur Anzahl der Auswechslungen oder zu speziellen Sperrenregelungen).

Die wichtigsten Änderungen 2025/26 im Überblick

Änderung 1: Präzisierung der Handspiel-Regel

Die IFAB hat die Handspiel-Regel mit zusätzlichen Auslegungsbeispielen ergänzt. Die Hauptpunkte:

  • Sliding-Tackling: Die Stützhand wird jetzt klarer akzeptiert – wenn der Arm zur Stabilisierung am Boden gestützt wird, ist eine Ballberührung kein Handspiel.
  • Tor-Konsequenz: Die "unmittelbare" Aktion vor einem Tor wurde auf maximal 1-2 Sekunden eingegrenzt. Wer mit der Hand den Ball berührt und dann erst nach mehreren Pässen sein Tor erzielt, behält das Tor.
  • Köpfen mit angelegten Armen: Ein leichter Schwung der Arme beim Sprung ist erlaubt, weiter abgespreizte Arme bleiben weiterhin Handspiel.

Mehr zur aktuellen Auslegung in unserem Artikel Handspiel-Regel 2024.

Änderung 2: 8-Sekunden-Regel für Torhüter

Eine der größten Neuerungen: Der Torhüter darf den Ball maximal 8 Sekunden in der Hand halten, bevor er ihn ins Spiel bringen muss. Bisher waren es 6 Sekunden, die in der Praxis aber kaum gepfiffen wurden. Mit der 8-Sekunden-Regel kommt ein klares Verfahren:

  • Der Schiri zählt mit ausgestreckter Hand sichtbar runter (5, 4, 3, 2, 1).
  • Wenn der Torwart den Ball nach 8 Sekunden noch hält, gibt es Eckstoß für die gegnerische Mannschaft (statt indirektem Freistoß wie früher).

Diese Änderung wird das Spiel im Amateurbereich deutlich verändern – Torhüter haben oft die Angewohnheit, lange auf einen Mitspieler zu warten. Das ist ab sofort kostspielig.

Änderung 3: Kapitäns-Regelung

Nur noch der Kapitän darf nach Schiri-Entscheidungen mit dem Schiri sprechen. Wenn ein anderer Spieler das tut, gibt es Gelb für unsportliches Verhalten. Diese Regel war 2024 testweise eingeführt und ist 2025/26 verbindlich.

Mehr zum Thema Kapitänsverantwortung im Artikel Kapitän werden und führen.

Änderung 4: Erklärung von VAR-Entscheidungen über Stadionsprecher

Gilt nur für Profi-Fußball mit VAR: Schiris dürfen nach VAR-Eingriffen ihre Entscheidung über das Stadion-Mikrofon erklären. Im Amateurfußball ohne VAR ist diese Regel nicht relevant.

Änderung 5: Sperrenregelung bei Reklamation gegen Schiris

Der DFB hat in vielen Verbänden eine Mindestsperre von 1 Spiel bei harter Schiri-Reklamation eingeführt. Wer nach einer Roten Karte aufgrund einer beleidigenden Aussage gegen den Schiri verbal ausfällt, sieht nun mindestens 4 Spiele Sperre statt früher 2.

Für die Praxis bedeutet das: Beleidigung gegen Schiris wird härter bestraft. Mehr zur Karten-Praxis in Gelb- und Rote Karten richtig deuten.

Was sich nicht geändert hat (aber oft missverstanden wird)

Abseitsregel

Die Abseitsregel bleibt unverändert. Vereinzelte Diskussionen über eine "Stürmer-freundliche" Auslegung haben sich zerschlagen. Mehr in Abseits-Regel einfach erklärt.

Auswechslungen im Amateurfußball

Viele Verbände haben weiterhin die 5-Auswechslungen-Regelung mit drei Wechselgelegenheiten. Manche Kreis- oder Bezirksligen erlauben sogar das Wiedereinwechseln ausgewechselter Spieler – das ist verbandsspezifisch und ändert sich nicht.

Strafbestimmungen für Tätlichkeit

Keine Änderung – Tätlichkeit bleibt direkte Rote Karte. Sperren werden weiterhin durch das Sportgericht festgelegt.

Auswirkungen auf die Trainerarbeit

Was du im Training anpassen solltest

Torwart-Training

Die 8-Sekunden-Regel verändert das Torwart-Spiel. Trainiere mit deinem Torwart:

  • Schnelle Spielfortsetzung: Innerhalb von 5-6 Sekunden den Ball werfen oder treten.
  • Anlauf-Routinen: Welcher Mitspieler bietet sich wann an? Trainiere klare Laufmuster.
  • Druck-Situationen: Pass kurz auf den Innenverteidiger, sofortige Anlaufaktion. Wenn der Innenverteidiger nicht frei ist, langer Schlag.

Wer einen jungen Torwart hat, sollte die 8-Sekunden-Regel mehrfach im Training simulieren – am Anfang vergessen viele die Zeit und tragen den Ball zu lange.

Kapitäns-Briefing

Der Kapitän ist jetzt offiziell die einzige Kontaktperson zum Schiri. Sprich vor jedem Spiel mit ihm:

  • Was darf er sagen, was nicht?
  • Wie geht er mit Schiri-Entscheidungen um, die er nicht versteht?
  • Wann ist es Zeit, eine Diskussion zu beenden?

Deine Mannschaft sollte wissen: Andere Spieler reklamieren nicht. Wer das vergisst, sieht Gelb.

Was du im Spiel beachten musst

  • Schnelle Auswechslungen: Bei Verletzungen schnell entscheiden, Wechsel nicht verzögern.
  • Trainer-Disziplin: Aus der Coaching Zone keine Schiri-Reklamation. Du als Trainer kannst auch eine Karte sehen.
  • Karten-Statistik: Führe weiterhin eine Statistik, da die Sperrenregelung verbandsspezifisch ist.

Auswirkungen auf Schiedsrichter

Für Vereinsschiris ist die Saison 2025/26 anspruchsvoll. Hier die wichtigsten Punkte:

Punkt 1: 8-Sekunden-Zählverfahren beherrschen

Du musst das sichtbare Runterzählen mit der Hand üben. Anfangs fühlt es sich seltsam an, aber es ist die offizielle Methode der IFAB. Trainiere das im Training mit, bevor du es im Spiel anwendest.

Punkt 2: Kapitäns-Regel konsequent anwenden

Wenn ein anderer Spieler reklamiert: Sofort Gelb. Klingt hart, aber so ist die Regel. Konsequente Anwendung sorgt für Ruhe im Spiel – inkonsequente Anwendung für Chaos.

Punkt 3: Handspiel-Beispiele neu lernen

Die IFAB hat zusätzliche Lehrvideos veröffentlicht. Schau dir diese vor Saisonbeginn an, um die neuen Auslegungen sicher zu beherrschen.

Punkt 4: Verfahrenstreue

Mit jeder Saison werden Schiedsrichter strenger an Verfahren gemessen – Spielbericht, Karten-Doku, Sportgerichts-Stellungnahmen. Bereite dich darauf vor.

Wenn du als Vereinsschiri starten willst oder gerade angefangen hast, lies unsere Anleitung Als Vereinsschiri pfeifen lernen.

Auswirkungen auf Spieler

Tipp 1: Reklamier nichts mehr

Nicht-Kapitäne, die mit dem Schiri sprechen, sehen Gelb. Halte den Mund und überlasse die Kommunikation deinem Kapitän.

Tipp 2: Sei vorbereitet auf 8 Sekunden

Wenn du Torwart bist: Trainiere die schnelle Spielfortsetzung. Wenn du Feldspieler bist: Bewege dich, biete dich an, gib deinem Torwart eine Anspielstation.

Tipp 3: Bleib locker bei Standards

Mit der präzisierten Handspiel-Regel werden im Strafraum mehr Elfmeter gepfiffen, wenn die Hand seitlich abgespreizt ist. Köpfe mit angelegten Armen, springe ruhig, halte die Arme am Körper.

Vereinsorganisatorische Auswirkungen

Nicht nur die Spielregeln ändern sich – auch die organisatorischen Anforderungen werden in der Saison 2025/26 strenger. Das DFB-Sportgericht hat seine Verfahren digitalisiert, viele Verbände verlangen jetzt digitale Spielberichte binnen 24 Stunden nach dem Spielende.

Für Vereine bedeutet das: Wer nicht digital aufgestellt ist, verliert Zeit. Mehr zum digitalen Spielmanagement im Artikel Erste Spielanfrage mit MatchMakers erstellen.

Dazu kommt: Viele Verbände haben die Anforderungen an Vereinsschiris erhöht. Wer als Verein keine eigenen Schiris stellt, zahlt Strafgeld. Mehr dazu im Artikel Schiedsrichtermangel im Amateurfußball.

Was sich für Eltern und Zuschauer ändert

Verhalten am Spielfeldrand

Die Verbände sind in der Saison 2025/26 strenger bei Zuschauer-Eingriffen. Wer aus dem Publikum heraus den Schiri beleidigt, kann zur Stadionverbot-Sperre führen – und im schlimmsten Fall zur Spiel-Abbruch.

Gerade in der Jugend ist das ein wichtiges Thema. Lies dazu Elternarbeit im Jugendfußball. Eltern sollten wissen: Wer den Schiri anschreit, schadet seinem eigenen Kind.

Trainerverhalten

Wie oben erwähnt: Die Coaching Zone ist enger reglementiert. Trainer können bei wiederholtem Reklamieren Gelb oder Rot sehen.

Praktische Umstellung im Verein

Schritt 1: Regelkunde-Einheit organisieren

Vereine sollten zu Saisonbeginn eine zentrale Regelkunde-Einheit für alle Trainer und Mannschaften organisieren. 60-90 Minuten reichen, um die wichtigsten Änderungen zu erklären.

Schritt 2: Schiedsrichter einbinden

Lad einen erfahrenen Schiri ein, der die Regeländerungen aus seiner Sicht erklärt. Spieler verstehen die Regeln viel besser, wenn sie aus der Praxis erklärt werden.

Schritt 3: Mannschafts-Briefings

Die Trainer sollten in den ersten beiden Trainingseinheiten der Saison gezielt auf die Änderungen eingehen. 15-20 Minuten pro Einheit reichen.

Schritt 4: Saisonplan anpassen

Wenn du noch keine Saisonplanung im Amateurfußball hast, ist das der richtige Zeitpunkt – die Regeländerungen sollten in deinem Plan stehen.

Praxisbeispiele aus dem Saisonstart

Beispiel 1: Erste 8-Sekunden-Eckstöße

In den ersten Wochen der Saison 2025/26 wurden bereits mehrere Eckstöße wegen der 8-Sekunden-Regel gepfiffen. Spieler und Trainer waren überrascht – obwohl die Regel klar kommuniziert war. Lerne daraus: Es ist tatsächlich passiert.

Beispiel 2: Kapitänsregel im Pokalspiel

In einem Bezirkspokalspiel sah ein nicht-kapitänlicher Spieler in der 30. Minute Gelb, weil er den Schiri ansprach. In der 70. Minute folgte eine zweite Gelbe für ein normales Foul. Mannschaft musste mit 10 Mann fertig spielen – ein vermeidbares Drama.

Beispiel 3: Trainer-Karte aus der Coaching Zone

Ein Trainer zeigte aus der Coaching Zone Gestik gegen den Schiri und sah Rot. Konsequenz: Eine Spielsperre und ein Sportgerichts-Verfahren. Die Verbände sind ernst.

Was die Vereine tun sollten

  • Trainer-Klausur vor Saisonbeginn organisieren.
  • Eine digitale Plattform für Spielanfragen, Spielberichte und Schiri-Zuweisung etablieren – z. B. über Schiedsrichter zuweisen mit MatchMakers.
  • Eltern-Info-Veranstaltung im Jugendbereich machen.
  • Karten-Statistik für jede Mannschaft führen.

Fazit: Die Saison 2025/26 wird disziplinierter

Die Regeländerungen für 2025/26 sind kein Erdbeben, aber sie haben spürbare Auswirkungen. Disziplin, schnelle Spielfortsetzung und klarer Kommunikationskanal über den Kapitän – das sind die wichtigsten Punkte.

Wer als Trainer, Spieler oder Schiri vorbereitet in die Saison startet, hat einen klaren Vorteil. Wer die Änderungen ignoriert, sammelt unnötige Karten und gibt Spiele ab.

Nächste Schritte

  • Plane eine Regelkunde-Einheit in deiner Mannschaft – am besten in den ersten zwei Trainingswochen.
  • Trag das in Events ein.
  • Vereinbare ein Testspiel über Spielanfragen, um die neuen Regeln zu üben.
  • Lies, wie du Gelb- und Rote Karten richtig deuten und so deine Mannschaft besser einstellst.
  • Mehr Beiträge zur Regelkunde findest du in unserem Blog.

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