Regelkunde & Schiedsrichter

Freundschaftsspiel-Regeln: Wechsel, Spielzeit, Schiedsrichter — was im Testspiel wirklich gilt

Unbegrenzt wechseln? Dreimal 30 Minuten spielen? Ohne offiziellen Schiri anpfeifen? Im Freundschaftsspiel gelten lockerere Regeln als im Pflichtspiel — aber nicht gar keine. Der Überblick.

· von Benjamin Bohl · 2 Min. Lesezeit

"Im Testspiel darf man doch eh alles" — so ungefähr lautet die verbreitetste Regelauskunft auf deutschen Sportplätzen. Sie ist halb richtig: Freundschaftsspiele lassen viel Spielraum für Absprachen, aber sie sind kein rechtsfreier Raum. Wer die Eckpunkte kennt, erspart sich Diskussionen am Anstoßkreis und Ärger mit dem Sportgericht.

Eine Einordnung vorab: Die Fußballregeln (IFAB) gelten grundsätzlich auch im Freundschaftsspiel. Was Verbände lockern, sind vor allem Wechselrecht, Spielzeit-Gestaltung und die Schiedsrichter-Frage. Verbindlich ist immer die Spielordnung deines Landesverbands.

Pflichtspiel vs. Freundschaftsspiel: die Übersicht

Thema Pflichtspiel (Amateur) Freundschaftsspiel
Anzahl Wechsel begrenzt laut Spielordnung großzügig, nach Absprache oft unbegrenzt
Rückwechseln je nach Verband/Spielklasse praktisch überall erlaubt
Spielzeit fest (z. B. 2×45) frei vereinbar (z. B. 3×30)
Schiedsrichter offiziell angesetzt offiziell, Vereinsschiri oder Absprache
Spielberechtigung Spielrecht zwingend gelockert (z. B. in Wartefristen)
Gelbe Karten Sperrwirkung nach Sammelschwelle keine Sperrwirkung
Rote Karte Sperre Sportgericht kann auch hier sperren
DFBnet-Anmeldung automatisch (Spielplan) Pflicht — selbst anlegen

Wechsel im Testspiel: viel erlaubt, aber abgesprochen

Der wichtigste Unterschied zum Pflichtspiel: Wechselkontingent und Rückwechsel sind im Freundschaftsspiel Verhandlungssache. In der Praxis bewährt:

  1. Vor dem Spiel festlegen — Trainer beider Teams + Schiedsrichter, ein Satz genügt: "Wir wechseln durch, Rückwechsel erlaubt."
  2. In Unterbrechungen wechseln, nicht im laufenden Spiel — auch im Testspiel meldet ihr Wechsel beim Schiri an.
  3. Torwartwechsel ankündigen — der Schiri muss wissen, wer im Tor steht.

So bekommt jeder aus dem 18er-Kader Minuten — genau dafür sind Testspiele da.

Spielzeit: 2×45 ist Standard, aber kein Gesetz

Gerade in der Saisonvorbereitung sind alternative Formate üblich: 3×30 Minuten (mehr Wechselfenster, drei "Halbzeitansprachen"), 2×40 bei Englischen Wochen oder 4×20 bei großem Kader. Zwei Bedingungen: Beide Teams und der Schiri kennen das Format vor dem Anpfiff, und bei Jugend-Testspielen bleiben die Spielzeit-Obergrenzen der Altersklasse verbindlich.

Wer pfeift? Drei Optionen

  1. Offiziell angesetzter Schiedsrichter — über die DFBnet-Anmeldung anfordern (Vorlauf beachten, meist ~10 Tage). Die Spesen variieren je nach Verband — Details in unserem Schiri-Kosten-Überblick.
  2. Selbst organisierter, geprüfter Schiri — häufig die pragmatischste Lösung. Über MatchMakers schreibst du die Anfrage mit Datum und Spesenvorstellung aus, verfügbare Schiris aus der Region übernehmen. Wie das geht: Schiedsrichter zuweisen mit MatchMakers.
  3. Vereinsschiri/Laie nach Absprache — zulässig, wenn beide Teams einverstanden sind. Für hitzige Derbys trotzdem nicht zu empfehlen.

Karten im Testspiel: der unterschätzte Punkt

Gelbe Karten sind mit dem Abpfiff vergessen. Rote Karten nicht: Tätlichkeiten, Beleidigungen oder grobe Fouls im Freundschaftsspiel landen beim Sportgericht, und die ausgesprochene Sperre gilt dann auch für Meisterschaft und Pokal. "Ist doch nur ein Testspiel" schützt vor keiner Sperre.

Und die Anmeldung?

Auch das lockerste Freundschaftsspiel gehört ins DFBnet — wegen Versicherungsschutz und Schiri-Ansetzung. Wie das in fünf Minuten geht, zeigt unsere DFBnet-Anleitung für Testspiele.

Fehlt nur noch der Gegner? Genau dafür ist MatchMakers gebaut: Spielanfrage erstellen, passende Vereine aus der Region antworten direkt — ob in Berlin, Stuttgart oder Leipzig.

Häufige Fragen

Wie viele Auswechslungen sind in einem Freundschaftsspiel erlaubt?
Deutlich mehr als im Pflichtspiel: Die meisten Landesverbände erlauben in Freundschaftsspielen großzügiges Wechseln inklusive Rückwechseln — oft faktisch unbegrenzt, sofern beide Mannschaften sich vor dem Spiel darauf verständigen und der Schiedsrichter informiert ist. Verbindlich ist die Spielordnung deines Landesverbands.
Ist Rückwechseln im Testspiel erlaubt?
In der Regel ja. Anders als im Pflichtspiel darf ein ausgewechselter Spieler in Freundschaftsspielen meist wieder eingewechselt werden (Rückwechsel). Im Amateur-Pflichtspielbetrieb erlauben viele Verbände das Rückwechseln übrigens inzwischen auch in unteren Ligen — im Testspiel ist es aber praktisch überall Standard.
Darf man ein Freundschaftsspiel ohne offiziellen Schiedsrichter spielen?
Ja — wenn kein offizieller Schiedsrichter angesetzt ist, kann ein Vereinsschiedsrichter oder eine andere geeignete Person pfeifen, auf die sich beide Teams einigen. Für Versicherungsschutz und einen geordneten Rahmen sollte das Spiel trotzdem im DFBnet angemeldet sein.
Kann man im Freundschaftsspiel die Spielzeit frei vereinbaren?
Weitgehend ja. Üblich sind 2×45 Minuten, aber gerade in der Vorbereitung sind auch 3×30 oder 2×40 verbreitet — wichtig ist, dass beide Teams und der Schiedsrichter die Vereinbarung vor dem Anpfiff kennen. Bei Jugend-Testspielen gelten die Spielzeit-Obergrenzen der jeweiligen Altersklasse.
Zählen gelbe und rote Karten aus Testspielen für Pflichtspiele?
Gelbe Karten haben keine Sperrwirkung über das Testspiel hinaus. Eine rote Karte kann dagegen sportgerichtliche Folgen haben: Grobe Unsportlichkeiten oder Tätlichkeiten im Freundschaftsspiel werden vom Sportgericht geahndet und die Sperre gilt dann auch für Pflichtspiele.