Abseits beim Einwurf: Gibt es das? Regel und Beispiele
Eine der häufigsten Missverständnisse im Amateurfußball: Gibt es Abseits beim Einwurf? Die Regel ist eindeutig — aber das Warum kennen wenige.
Eine der häufigsten Missverständnisse im Amateurfußball: Gibt es Abseits beim Einwurf? Die Antwort ist eindeutig — nein. Die IFAB-Regel ist klar, aber das Warum kennen nur wenige.
Die Regel kurz und scharf
IFAB Regel 11, Abschnitt "Keine Abseitsstellung":
Ein Spieler steht nicht im Abseits, wenn er den Ball direkt von einem Einwurf, einem Abstoß oder einem Eckstoß erhält.
Bedeutet: Du kannst direkt von einem Einwurf auf einen Mitspieler werfen, der vor dem letzten Verteidiger steht und sich Richtung Tor bewegt — kein Abseits.
Warum ist beim Einwurf kein Abseits?
Historische und praktische Gründe:
Spielfluss-Wiederherstellung Ein Einwurf ist eine Spielfortsetzung nach einem Aus, kein aktiver Angriffszug. Den Vorteil "Abseits" damit zu kombinieren wäre defensiv schwer kontrollierbar — der Werfer kann den Ball überall hinwerfen, der Verteidiger kann nicht aktiv pressen wie beim laufenden Spiel.
Begrenzte Reichweite Ein Einwurf hat eine begrenzte Wurfweite (typisch 20-30 m bei Profis, 10-20 m im Amateur). Der "Vorteil" ist also natürlich begrenzt.
Konsistenz mit anderen Spielfortsetzungen Beim Abstoß und Eckstoß gilt dieselbe Regel. Alle drei sind Spielfortsetzungen, alle drei haben dieselbe Abseits-Ausnahme.
Was passiert nach dem Einwurf?
Sobald ein zweiter Spieler den Ball berührt, gilt wieder normale Abseits-Regel.
Beispiel:
- Spieler A wirft ein, Spieler B steht 5 m vor dem letzten Verteidiger → kein Abseits, B bekommt den Ball
- B passt jetzt zu Spieler C, der ebenfalls weit vor dem letzten Verteidiger steht → jetzt ist es Abseits
Praxistipp: Der Werfer kann seinen Mitspieler bewusst in eine Position bringen, die rechtmäßig "Abseits" wäre — aber sobald der Ball weitergespielt wird, muss derjenige aus dieser Stellung raus, sonst gibt's Abseits.
Häufiger Irrtum: "Der eigene Werfer kann nicht abseits sein"
Falsch — er KANN abseits sein, aber nur indirekt. Wirft Spieler A ein und sprintet selbst Richtung Tor, kann er später ins Abseits laufen, falls ein Mitspieler ihn anspielt. Der Einwurf selbst macht ihn nicht abseits-fest, sondern nur den Empfänger des Wurfs.
Ein praxisrelevanter Sonderfall: der weite Einwurf
In manchen Spielen — vor allem bei Profis mit speziellem Wurftraining — sind Einwürfe von 25-30 m direkt vor das Tor möglich. Damit wird der Einwurf de facto wie ein Eckball.
Was passiert dabei?
- Werfer A wirft 28 m direkt in den Strafraum
- Stürmer B steht zwischen den Verteidigern und macht das Tor → kein Abseits, Tor zählt
In der höchsten deutschen Liga sind solche "Wurf-Einwürfe" selten, im Profibereich englischer und walisischer Liga teilweise Standardtaktik.
Gilt das auch beim Schiedsrichterball?
Nein. Der Schiedsrichterball ist KEINE der drei Einwurf-ähnlichen Spielfortsetzungen (Einwurf, Abstoß, Eckstoß). Beim Schiedsrichterball gilt normale Abseits-Regel ab der Berührung des ersten Spielers.
Ablauf:
- Schiedsrichter lässt den Ball fallen
- Erster Spieler berührt den Ball
- Ab diesem Moment normale Spielregeln inkl. Abseits
Andere Spielfortsetzungen ohne Abseits
Komplette Liste (IFAB Regel 11):
- Einwurf: kein Abseits
- Abstoß: kein Abseits
- Eckstoß: kein Abseits
Alle anderen Spielfortsetzungen (Freistoß direkt/indirekt, Strafstoß, Anstoß, Schiedsrichterball) → normale Abseits-Regel.
Häufige Schiedsrichter-Fehler im Amateurbereich
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Falsche Pfeife auf "Abseits" nach Einwurf: Klassiker. Der Schiri vergisst die Ausnahme. Korrekturen sind erlaubt, falls Linienrichter rechtzeitig Hinweis gibt.
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Spät Pfeife nach Einwurf: Spieler läuft aus dem "Abseits" raus, kein Pfiff — aber dann passt er weiter, neuer Abseits-Check. Das ist OK so. Der Schiri muss aber die zwei Abseits-Checks sauber trennen.
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Verwechslung mit Eckstoß: Auch Eckstoß ist abseitsfrei. Im Eifer des Gefechts wird das manchmal gepfiffen — falsch.
Fazit
Gibt es Abseits beim Einwurf? Nein. Stand IFAB-Regel 11 seit Jahrzehnten konstant. Wenn dein Verein einen Wurfspezialisten hat, der präzise in den Strafraum wirft, ist das ein unterschätztes Offensiv-Tool — Verteidiger sind oft mental auf "Standard"-Verteidigung eingestellt und vergessen die abseits-freie Regel.